so, die Reviews mache ich mal hier, ansonsten siehe der Top-5-Thread:
1. David Bowie, November 03, Preussag-Arena, Hannover
Bis heute das beste Konzert, auf dem ich je war. Bowie hat einfach Ausstrahlung. Der braucht nichts zu tun, sobald er auf der Bühne steht, gehört ihm die Welt. Nach der Vorband (Dandy Warhols: gut rumgefrickelt, aber keine Stimmungsmucke) hat Bowie selbst die ganze Legion seiner Hits abgespielt, es war alles dabei. Diejenigen, die auf Suffragette City oder Ziggy Stardust gewartet haben, wurden dann in der Zugabe belohnt. Fantastisch war aber auch das Publikum, ich habe es noch nie erlebt, dass ein gestandener 50jähriger Mann Marke "Studienrat" fast in Tränen ausbricht und herumhüpft, als wäre er auf dem Woodstock-Festival. Die Zuschauer sind einfach mitgegangen, aber richtig!
Dem konnte auch ich mich nicht erwehren, besonders, als er in kurzer Folge "Under Pressure", "Ashes to Ashes", "The Battle of Britain", "Loving the Alien", "I'm afraid of Americans" und "Heroes" auf das Publikum abfeuerte.
2. Peter Gabriel, Mai 04, Velodrome, Berlin
Weit zurückhaltender als bei David Bowie ging es zu, das Publikum war auch "verkopfter", aber die runde Bühne im Zentrum der Halle sorgte für eine gewisse familiäre Atmosphäre. Und die wurde vo Konzert auch bestätigt. Beide Vorgruppen wurden von Peter Gabriel persönlich mit einer kleinen Laudatio angekündigt, in der er erzählte, wer sie seien, woher sie kommen etc. Und das ganze in gut verständlichem Deutsch, wie auch sämtliche seiner Ansagen im Konzert.
Während die erste Band ein solides Programm gespielt hat, war vor allem der zweite Act, ein junger Gitarrist aus Mali? Burkina Faso? Liberia?... Na, also dieser junge Mann stellte sich ganz alleine auf die Bühne, nur mit einer Gitarre "bewaffnet" und sang seine Lieder in afrikanischer Sprache, nur manchmal hörte man ein stark gefärbtes Französisch in einigen Wendungen.
Aber trotz des "Kulturschocks" hat der Bursche unglaublich viel Stimmung gemacht, ist über die ganze Bühne getanzt, hat zum Mitmachen aufgefordert und schließlich haben die Berliner das auch gemacht.
Der Boden war bereitet für Peter Gabriel. Sein Programm war nicht allzu umfangreich. Es fehlten einige bekannte Titel (Don't give up, Steam), dafür hat er bei anderen tief in der Vergangenheit gewühlt (Games without frontiers, San Jacinto). Den Opener hat er auch auf Deutsch gesungen: "Jetzt kommt die Flut", leider blieb dies der einzige deutsche Beitrag in seinem Repertoire (ich hatte ja auf ein zweites deutsches Lied in der Zugabe gehofft).
Besonders eindrucksvoll war die Show, die er bot: Er zwängte sich in einen riesigen Gummiball, rollte und sprang über die Bühne, fuhr Fahrrad und ein Experimental-Zweirad, hängte sich an die Deckentraverse und spielte Verfolgungsjagd mit seiner Tochter Melanie, die Backgroundsängerin war usw. Für seine 54 Jahre und das Wohlstandsbäuchlein war er enorm agil.
Schließlich durfte bei der Zugabe "In your Eyes" der Alleinunterhalter aus dem Vorprogramm noch einmal mitsingen.
Die anderen Konzerte haben keine Rangfolge verdient. Der Vollständigkeit halber:
- Schandmaul, November 04, Jolly Joker, Braunschweig und Oktober 03, Faust, Hannover
Mein zweiter Schandmaul-Besuch, und irgendwie war er viel besser als der erste, obwohl er ziemlich ähnlich war: sogar die Vorgruppe, Regicide aus Oldenburg, war die gleiche. Aber schon die hatten sich enorm weiterentwickelt. Beim ersten Konzert ein Jahr zuvor waren sie schwer erträglich, aber diesmal fand ich sie sehr rockig und klasse.
Auch Schandmaul fand ich super. Das erste Konzert in Hannover fand ich eher nicht so toll, das lag sicher einerseits an der Akustik, andererseits an meiner damaligen Laune. Diesmal jedoch ging es richtig ab und ich hatte meinen Spaß.
- Wise Guys, Januar 04, Capitol, Hannover
Absolut sehenswert, sympathische, normal gebliebene Truppe, sehr amüsante Musik, feingeistiger, scharfzüngiger Humor... und ein Haufen Bräute
- Genesis, Februar 98, Westfalenhalle, Dortmund
Leider habe ich es nicht mehr geschafft, Genesis mit Phil Collisn zu sehen, daher war der Eindruck natürlich getrübt. Auch den Rest der etatmäßigen Band, Gitarrist Darryl Stuermer und Drummer Chester Thompson, die beide seit Ende der 70er mit der Band auf Tour waren, habe ich schmerzlich vermisst. Die neuen eingekauften Tour-Musiker waren musikalisch top, aber halt irgendwie Fremdkörper. Sänger Ray Wilson dagegen fand ich prima.
- Herbert Grönemeyer, Juni 03, Volksparkstadion, Hamburg
Ein sehr schönes Konzert, aber für mich als Nicht-Auswendig-Könner der meisten Lieder und Nicht-fanatischer-Fan eher etwas mau. Zudem wirkte das Publikum etwas reserviert, mag daran gelegen haben, dass die Show nicht so klasse war. Gut, der hüpfende Eisbär war cool, auch die vielen Bälle, die bei "Mambo" ins Publikum geworfen wurden.. aber ansonsten war ich nicht so überzeugt.
- Sting, Juni 04, EXPO-Plaza, Hannover
Das war eine ziemliche Enttäuschung. Ich hatte den Eindruck, der Gute spielt sein Programm runter und das wars. Er konnte weder das Charisma aufbringen, das David Bowie ausgezeichnet hat noch die persönliche Ansprache des Publikums eines Peter Gabriel. Für einen Superstar - und das ist Sting ja zweifelsohne - fand ich den Auftritt halt recht mau. Ärgerlich, war er doch der teuerste bisher überhaupt.
- Supertramp, Juni 02, Volkswagenhalle, Braunschweig
An sich eine eher spießige Veranstaltung: komplett bestuhlt, Durchschnittsalter 20 Jahre über dem meinen. Immerhin habe ich einen Dozenten von uns dort getroffen, der auch ein Fan zu sein schien.
Aber immerhin: Die Band hat gerockt. Es ist ja nicht so typisch, da Supertramps Stücke immer etwas zerfrickelt und verspielt sind, aber sie gingen echt gut ab. Und nach 20 Minuten hatte sich das mit der Sitzordnung auch gegeben, die Leute standen auf und gingen teilweise auch direkt vor die Bühne zum Tanzen.