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Galadriel-Nadine

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Wo die Wilden Kerle wohnen
(gelesen 1204 x)  

23.12.2009 19:16:29
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Eines vorab: es handelt sich hierbei NICHT wirklich um einen Kinderfilm, sondern eher einen Film über die Kindheit, das Kindsein an sich in all seinen Facetten.

Aber erst einmal zur Story:

Der kleine Max ist ein wildes, ungestümes und zorniges Kind. Niemand hat Zeit für ihn. Weder seine Teenagerschwester, die von ihm angenervt ist und zulässt, dass Max’ selbstgebautes Schneeiglu von ihren Freunden zerstört wird noch seine beruflich gestresste Mutter, die momentan ihre Aufmerksamkeit ihrem neuen Freund schenkt.
Der enttäuschte und sich allein gelassene Max lässt seiner Wut und seinem Zerstörungstrieb freien Lauf: das Zimmer der Schwester wird unter Wasser gesetzt und die Mutter im Streit gebissen. Die schimpft ihn in Wut ein wildes Tier. Max läuft davon. Er flüchtet in einem kleinen Segelboot übers Meer zu einer abgelegenen Insel.

Dort leben wilde, seltsame monströse Kreaturen, die ungestraft und völlig unberührt ihren Gefühlen und ihrer Zerstörungswut freien Lauf lassen. Max, der dem Destruktionstrieb an sich sehr positiv gegenübersteht, ist begeistert!. Die „wilden Kerle“ wollen Max zwar erst fressen, der überzeugt jedoch durch Zornausbruch und wildes Gebären. Die Monster beschließen Max zu ihren König zu machen. Unter einer Bedingung: er soll für sie ein Paradies erschaffen, alle glücklich machen und die Leere in ihnen bekämpfen. Max stimmt zu und ordnet als erstes das an, was allen Spaß macht: Krach! Alle machen begeistert mit….es wird nur das gemacht was Spaß macht, mit keinerlei Konsequenzen, möge da kommen was wolle. Max ist glücklich. Endlich sind da welche, die ihn verstehen und genauso fühlen wie er! Der Junge fühlt sich geborgen. Ein besonderes Vertrauensverhältnis entwickelt Max zu Obermonster Carol und der immer nachdenklichen K.W. (bitte auf engl. sprechen: Kay Double You!). Max und seine Monsterfreunde beschließen eine Festung zu bauen um sicher zu sein und sich einen Ort aus ihren Träumen zu erschaffen, an dem man glücklich sein kann. Es geht mit Feuereifer an die Arbeit….doch die Idylle bekommt schnell Risse.

Max, von dem als König alle erwarten dass er sie glücklich macht und jegliche Probleme aus der Welt schafft, zerbricht an der Erwachsenenrolle, in die er gedrängt wird. Er ist schlussendlich nur ein Kind mit all seinen Fehlern und Schwächen. Nach einer Schlammklumpenschlacht, die die allgemeine Stimmung wieder heben soll, passiert das Gegenteil. Die Monster, allen voran Carol zweifeln an ihm…die Situation beginnt zu eskalieren und Max bester Freund unter den Monstern, Carol, will ihn fressen, Die besonnene K.W. rettet ihn. Max beschließt daraufhin die Insel wieder zu verlassen, er will wieder zurück nach Hause. Es kommt zu einem versöhnlichen Abschied, selbst der jähzornige Carol vergisst bittere Tränen als sein kleiner Freund Abschied nimmt….

Das hochgelobte Kinderbuch (viele Kritiker halten es für das vermutliche beste Kinderbuch aller Zeiten) von Maurice Sendak (Originaltitel: Where the wild Things are) aus den Jahr 1963 hat gerade mal knapp vierzig Seiten und besteht aus 333 Wörtern. Nicht gerade viel und auch nicht wirklich die ideale Voraussetzung einen Film draus zu machen. Nicht umsonst galt Sendaks Meisterwerk lange genau wie Tolkiens „Herr der Ringe“ als unverfilmbar.
Doch Sendaks kurze fantasievolle Geschichte über einen Jungen, der auszog um wild zu sein und schließlich durch Monster viel über sich selbst lernt und dabei erkennt, Gefühle anderer wichtig zu nehmen und zu akzeptieren fand einen Regisseur, der es schaffte das Meisterwerk adäquat zu verfilmen. Regie-Individualist Spike Jonze (Being John Malkovich) baute die Kurzgeschichte um Max und seine Monster aus, gab ihnen Namen, ließ sie sprechen, tauchte tief in ihre Charaktere ein und verlieh ihnen somit Tiefe. Jedes der Monster hat seine ganz eigene Persönlichkeit und es ist klar, dass ein jeder von ihnen Max Charaktereigenschaften darstellt:
Der ungestüme Carol steht für Max zornige und jähzornige Seite, Judith für Gehässigkeit und Eigensucht, Alexander für Unsicherheit und Verzagheit, Ira spiegelt Max Angst vor der Einsamkeit und der Leere wieder, Douglas so was wie sein Gewissen und K.W. stellt die besonnene und nachdenkliche Seite von Max dar.

Der Film ist teilweise sehr düster und absolut nichts für ganz junge Kinder; ein fünfjähriges Kindergartenkind hat in solch einem Film nichts zu suchen und ich bezweifle stark, dass selbst zwölfjährige Kinder die eigentliche Botschaft es Films verstehen. In den USA waren es mehr die Erwachsenen meiner und der Generation davor, die die Kinos stürmten. Viele Kinder sind teils aus Langeweile und aus Angst aus dem Kino gerannt. Liegt vielleicht auch daran, dass es sich bei der Adaption des Buches um eine für Hollywood-Verhältnisse sehr unkonventionelle Verfilmung handelt, fernab von süßlichen Klischees vom ach so niedlichen Kind und seiner so oft verklärten Kindheit. Daher ist der Film meiner Meinung nach mehr was für jung gebliebene Erwachsene, die das Kind in sich noch bewahrt haben.

Jonzes Verfilmung sorgte beim Studio für Ärger: ein düsterer „Kinderfilm“, karge Landschaften (ein bisschen Wald, eine Wüste, zerklüftete Klippen) und die Thematisierung von innerer Leere und Einsamkeit, was war das bitte für ein Film für Kinder? Die Postproduktion dauerte schlussendlich zwei Jahre und nach zähem Ringen hat Jonze seinen Kopf durchgesetzt und seine Version von Sendaks Geschichte auf die Leinwand gebannt! EIN GLÜCK FÜR UNS ALLE! Übrigens ist Autor Maurice Sendak von Jonzes Version begeistert und gab seinen Segen. Na, besser geht es doch nicht, oder?! Es lässt in einem die Hoffnung schimmern, dass es bald noch mehr solcher unkonventioneller „Kinderfilme“ gibt.

Ein absoluter Glücksgriff ist übrigens Hauptdarsteller Max Records. Er schafft es die zornige, jähzornige und wilde Seite von Max mit all ihren Schwächen und Fehlern und gleichzeitig die verletzliche und einsame Seele eines Kindes darzustellen. Ein junger Darsteller, der noch nicht die Abgeklärtheit eines coolen Hollywood-Kids verinnerlicht hat. Max lässt das Kind in uns allen aufleben und erinnert uns alle an unsere Kindheit, so wie sie wirklich war: voller Lebensfreude, Unbekümmertheit und wilder Träume aber auch voller Unsicherheit und Angst! Ein bittersüßes Gefühl, dass einen strahlen lässt, denn wir erinnern uns wie wir waren als wir noch Kinder waren. Max ist ein Teil von uns allen!

Der Film ist meiner Meinung nach ein absolutes Juwel! Hardcore-Fans der Buchvorlage, die von keinerlei Verfilmung was wissen möchten und auch nichts ins Kino wollen, weil sie sich ihre Fantasie und Vorstellungen der einzelnen Figuren nicht kaputt machen wollen, denen sei gesagt: schaut euch diese kongeniale Verfilmung an! Spike Jonze hat ein Meisterwerk geschaffen und wenn selbst der Autor begeistert ist, sollte das doch ein Freifahrschein sein!

btw, noch was: ich habe seit Mowgli aus dem Dschungelbuch kein Kind gesehen, dass so überzeugend ein Wolfsgeheul und Hundegebell imitieren kann wie Max Records! Respekt!

23.12.2009 19:19:22: Dieser Beitrag wurde editiert, von Galadriel-Nadine

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toberman

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10.05.2010 21:36:01
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Das gibts wohl als Film???
Abgefahren

Ich hab das als Kind selber begeistert gelesen und fange nun an, das Buch mit meiner Tochter (3) zu lesen...

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